Liraglutid und Orlistat: die älteren Wirkstoffe
Neben den wöchentlichen Injektionen gibt es zwei ältere Wirkstoffe, die seltener besprochen werden – aber in bestimmten Situationen weiterhin eine Rolle spielen.
Liraglutid
Liraglutid gehört zur selben Wirkstoffgruppe wie Semaglutid: Es bildet das Darmhormon GLP-1 nach und verstärkt so das Sättigungsgefühl. Der wesentliche Unterschied liegt in der Anwendung – Liraglutid muss täglich gespritzt werden, nicht wöchentlich.
In Studien fiel die durchschnittliche Gewichtsabnahme geringer aus als unter den neueren Wirkstoffen. Zusammen mit der täglichen Anwendung erklärt das, warum Liraglutid heute seltener eingesetzt wird. Das Nebenwirkungsprofil entspricht im Wesentlichen dem der Gruppe: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung stehen im Vordergrund, ernste Komplikationen wie Bauchspeicheldrüsenentzündungen sind selten.
Auch hier wird die Dosis über mehrere Wochen langsam gesteigert, und auch hier gelten dieselben Gegenanzeigen, unter anderem in Schwangerschaft und Stillzeit.
Orlistat
Orlistat funktioniert völlig anders. Es hemmt ein Enzym der Bauchspeicheldrüse, das Nahrungsfette für die Aufnahme aufspaltet. Ein Teil des mit der Nahrung aufgenommenen Fetts wird dadurch nicht verdaut, sondern ausgeschieden. Das Sättigungsgefühl wird nicht beeinflusst – wer isst wie zuvor, spürt keinen Unterschied im Hunger.
Die Wirkung ist deutlich schwächer als bei den GLP-1-Wirkstoffen. Der Preis ist dafür erheblich niedriger, und es gibt niedriger dosierte Varianten, die apothekenpflichtig statt verschreibungspflichtig sind.
Die Nebenwirkungen ergeben sich direkt aus dem Wirkprinzip und sind für viele Menschen der Grund, die Behandlung abzubrechen: fettige, teils unkontrollierbare Stühle, Blähungen mit Stuhlabgang, plötzlicher Stuhldrang. Diese Beschwerden treten vor allem dann auf, wenn weiterhin fettreich gegessen wird – Orlistat erzwingt also indirekt eine fettärmere Ernährung. Zusätzlich kann die Aufnahme fettlöslicher Vitamine beeinträchtigt werden.
Für wen kommen diese Wirkstoffe infrage?
Diese Frage lässt sich seriös nur individuell beantworten. Gründe, die für die älteren Substanzen sprechen können, sind unter anderem die Kosten, die Verfügbarkeit, eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber neueren Wirkstoffen oder eine bewusste Entscheidung gegen ein Hormonprinzip.
Was sich allgemein sagen lässt: Kein Präparat wirkt ohne Veränderung von Ernährung und Bewegung dauerhaft. Bei Orlistat ist dieser Zusammenhang besonders unmittelbar – ohne fettreduzierte Kost bringt es kaum Nutzen, dafür aber die volle Bandbreite der Nebenwirkungen.
Häufige Fragen
Ist Orlistat rezeptfrei erhältlich?
Es gibt Orlistat sowohl in verschreibungspflichtiger als auch in niedriger dosierter, apothekenpflichtiger Form. Apothekenpflichtig bedeutet: Sie erhalten es ohne Rezept, aber nur in der Apotheke und nach Beratung. Auch dort gelten Anwendungsbeschränkungen, und eine ärztliche Abklärung des Übergewichts ist trotzdem sinnvoll.
Warum wird Liraglutid noch verordnet, wenn Semaglutid stärker wirkt?
Es gibt Situationen, in denen die tägliche Gabe medizinisch sinnvoll ist, etwa wenn eine feinere Steuerung gewünscht wird. Auch die Verfügbarkeit und der Preis spielen eine Rolle. Die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der Arzt anhand der individuellen Situation.
Quellen und weiterführende Informationen
- Saxenda – EPAR – European Medicines Agency, abgerufen am 2026-08-17
- S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas – AWMF, abgerufen am 2026-08-17